Sehr geehrte Damen und Herren!
Wer sich auch nur ein bißchen mit Sprache beschäftigt, weiß, daß Menschen gewisse Wörter nicht zufällig gebrauchen. Und besonders Bundesinnenminister, Bundesjustizminister, Bundespräsidenten, international renommierte Politologen, Literaturnobelpreisträger und Professoren der Jurisprudenz und Theologie neigen dazu, Wert auf ihre Ausdrucksweise zu legen, besonders dann, wenn sie sich schriftlich und/oder in der Öffentlichkeit vor bzw. in Medien äußern.
Wenn also Gerhart Baum „entsetzt“ ist und die „Pflicht“ zu einer „moralischen Rehabilitation“ attestiert, Alfred Grosser höchst persönlich einen Brief an Herrn Ministerpräsidenten Roland Koch schreibt und von „kümmerlichen Lebensverhältnissen“ und „gegebenem Moment“ spricht, Frau Leutheusser-Schnarrenberger meint, die Tatsachen seien „erschütternd“; Johannes Rau „neugierig“ auf den „citoyen“ war; Heinrich Böll und Dorothee Sölle und Klaus Traube und Hartmut von Hentig und Wolfgang Klafki und Prof. Dr. Ulrich Klug und ... - ach, die Reihe ließe sich so lange fortsetzen; die Liste derer, die sich bereits für Herrn Roth eingesetzt haben, liest sich ja fast wie ein "Who is Who" der intellektuellen Crème de la Crème) – wenn diese Persönlichkeiten sich alle für Herrn Roth eingesetzt haben und einsetzen:
Wie ist es dann nur möglich, daß ich nunmehr Antworten von verschiedener Seite erhalten habe, die sich mit den Gegebenheiten einfach abfinden?
In den vergangenen Wochen habe ich versucht, die Menschen zu erreichen, die damals mit dem „Fall“ Roth zu tun hatten, und bei einigen ist es mir mittelbar oder unmittelbar gelungen.
In seiner Erklärung vom 17. Januar 2009 schreibt Herr Roth:
„Die hessische CDU fand das übrigens damals gut, dass ich das „unsittliche Angebot“ der damaligen SPD-Regierung nicht annahm; sie forderte damals – u.a. auch nach einem Gerichtserfolg – meine sofortige „Wiedereinsetzung in den Status quo ante“ vor meiner „Extremisten“-Typisierung (G. Milde, Fraktionsvorsitzender, schriftlich; H. Geipel, Verfassungsschutzobmann, mündlich); der CDU-Verfassungsschutz-Präsident C. Lochte schrieb mir einen ausdrücklichen Persilschein aus – und bat mich um Verzeihung für das, was mir angetan worden war. Das soeben Gesagte wurde gerichtlich geprüft und blieb unwidersprochen; der Bundespräsident, nach dreijähriger durch seinen Verfassungsexperten, segnete das Ganze schriftlich ab.“
Christian Lochte starb 1995, „H. Geipel“ konnte ich nicht finden, aber „G. Milde“ ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Hessischen Landtag. Also schieb ich ihn an, er kenne ja den Fall gut und ob er sich bitte für Herrn Roth einsetzen könne.
Zunächst schrieb mir Herr Milde zurück, er kenne den Fall gar nicht. Vielmehr werde er seinen Vater, den damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden der CDU fragen.
Und der richtige „G. Milde“, also der Vater, Herr Staatsminister a.D. Gottfried Milde, schrieb mir einen Brief:
„Sehr geehrte Frau Khoder,
mein Sohn hat mir Ihre umfangreiche Korrespondenz zugestellt. Das war etwas kompliziert, weil ich selbst nur mit Post, gelegentlich über Fax arbeite.
Ich komme deshalb auch mit Brief auf Ihre Anfrage vom 11. April zurück.
Die Sendung von Report habe ich nicht gesehen, könnte aber auch dann keinen Beitrag zu dem Vorgang leisten. Ich selbst habe keine Unterlagen aus der damaligen Zeit, die CDU-Landtagsfraktion auch nicht, weil alle Aufbewahrungsfristen seit vielen Jahren verstrichen sind und die Akten dann vorschriftsmäßig vernichtet worden sind.
In der CDU-Fraktion hat seinerzeit unser Kollege Horst Geipel die Angelegenheit bearbeitet. Er ist leider sehr früh verstorben, sodass auch von dieser Seite nichts mehr in Erfahrung zu bringen ist.
An Einzelheiten kann ich mich nach Jahrzehnten verständlicher Weise nicht erinnern. Ich kann Ihnen also nicht weiterhelfen.
Mich verblüfft allerdings, dass die Angelegenheit jetzt nach so langer Zeit wieder aufgegriffen worden ist. Herr Roth hätte ja viel früher die Möglichkeit gehabt, sich zu melden und eventuell bestehende Ansprüche geltend zu machen.
Die Antwort von Herrn Ministerpräsident Koch geht meines Erachtens in Ordnung. Ihre Vermutung, „dass Menschen wie Sie (=ich) und Herr Ministerpräsident Koch doch sicher einiges für Herrn Roth tun können“, ist im übrigen unzutreffend.
Entscheidend ist allein die Rechtslage.
Im Petitionsverfahren wird das geklärt werden. Allerdings ist meines Erachtens der Bundestag die falsche Adresse für eine Petition in dieser Sache.
Ich bedauere, Ihnen keine andere Antwort geben zu können.
Hochachtungsvoll
(G. Milde)“
Und in seinem „Politischen Testament“ erwähnt Herr Roth einige Beteiligte, die ich hier besonders aufgreifen will; er schreibt:
1. „Ich klage an das geheime Militär-Tribunal von «Gladio», das mich in einem geheimen Verfahren aufgrund eines Inside-Reports (mit G. Wallraff als Begleiter) wegen «Hochverrats» verurteilte.
2. Ich klage an die geheime Terror-Organisation «Aktion 76», von der hessischen CDU politisch geführt, die mich über eine bestimmte hessische Presse an die Öffentlichkeit zerrte («Extremist», «DKP-Lehrer» - der ich nie war) und mein Leben wendete.
3. Ich klage an eine spezialdemokratisch geführte Landesregierung, die beide Verurteilungen ungeprüft übernahm und ihr noch heute geschichtsmächtiges Berufsverbot mit der Nazi-Formel «fehlende charakterliche Reife» aussprach.
4. Ich klage an eine Kirchenleitung, die ihren Religionslehrer nie verteidigte, und
5. eine Kampfpresse, die meine Gegendarstellungen nie veröffentlichte, auch nach gerichtlicher Klärung nicht.
6. Ich klage an jene geheimen Kommandos, die immer wieder bei mir einbrachen und wichtige Dokumente stahlen, manchmal am gleichen Tag bei meinem Bruder, die gleichen Dokumente entwendend.
7. Ich klage an jenen Verfassungsgerichtspräsidenten, der ein geheimes Buch voller Anweisungen zu meinem Prozess verfasste, der einen schweren Akzent auf die Macht-Frage der Kontrolle geheimer Dossiers legte und einen nicht minder schweren auf die unterschiedlichen Zeit-Strukturen von Staat und Individuum.
8. Ich klage an den Hessischen Ministerpräsidenten, der zuerst versprach, dem orientierenden Schreiben des Bundespräsidenten zu folgen und das Recht zu achten – und dann doch das grausame Spiel von bleibendem Berufsverbot und ausbleibender Wiedergutmachung fortsetzte, also Verfassungsbruch beging. ...“
Also klapperte ich ab:
Zu 1.:
„Gladio“ hatte ich noch nie gehört, aber unter dem Suchbegriff „Hans Roth“ fand ich im Internet die Links
http://www.sueddeutsche.de/politik/9/463615/text/http://www.sueddeutsche.de/politik/9/463615/text/3/http://www.zeit.de/suche/index?fr=cb-gwpze&q=Gladio&x=0&y=0http://www.zeit.de/1991/50/Unter-eigener-AnklageAlso berichteten in den letzten Wochen zum 60. Geburtstag der NATO sowohl die „Süddeutsche Zeitung“ (4.4.2009, Jonathan Stock: „Es war ein Geheimnis vieler Nato-Länder: Untergrundarmeen sollten bei einem Einmarsch der Sowjetunion den Guerilla-Kampf aufnehmen. Die Spuren gehen zurück bis in die fünfziger Jahre - die Nato mauert noch heute.“) als auch die „Frankfurter Rundschau“ und „Die Zeit“ über dieses „Gladio“, was mir zunächst wie die Erfindung eines humanistisch gebildeten Lehrers vorgekommen war, womöglich noch des Theologie-Studenten Hans Roth (gladio = durch das Schwert; „Wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen“).
Zu 2:
Zu „Aktion 76“ weiß ich nichts, aber „Extremist“ und „DKP-Lehrer“ stand damals in den Zeitungen, und ich frage mich natürlich, wie das denn möglich war, wenn Herr Staatsminister Winterstein vom Hessischen Innenministerium Herrn Roth 1986 schreibt: „Sehr geehrter Herr Roth, nach meiner festen Überzeugung gibt es keinerlei Grund für irgendeinen Zweifel an Ihrer Verfassungstreue. Es gibt auch keinerlei Zweifel daran, daß Sie kein „Extremist“ sind. Darüber hinaus gab es auch niemals einen Grund, an Ihrer Verfassungstreue zu zweifeln oder Sie als „Extremist“ einzustufen.“ (aus der „Dokumentation zu Hans Roth“, die Alfred Grosser in der „Report-Mainz“-Sendung vom 1.12.2008 in den Händen hält; S. 36)
Zu 3:
Zu seinem 80. Geburtstag habe ich Hans Koschnick angeschrieben und ihn um Hilfe gebeten; der große Sozialdemokrat hatte damals den Vorwurf der mangelnden „charakterlichen Reife“ im sozialdemokratisch regierten Hessen als „Nazi-Argument“ gegen im nationalsozialistischen Deutschland mißliebige Lehrkräfte gebrandmarkt. Bisher kam folgende Antwort: „Sehr geehrte Frau Thelen-Khoder, Herr Koschnick hat mich gebeten, Ihnen seinen Dank für die netten Grüße zu seinem Geburtstag auszurichten. Mit freundlichen Grüßen A. Kaiser“
Zu 4:
In verschiedenen Emails an die Evangelische Kirche bat ich um Hilfe für Herrn Roth. Verschiedene Antworten betonten, die Angelegenheit werde weitergeleitet. Und jetzt bekam ich folgende Antwort:
Sehr geehrte Frau Thelen-Koder,
Sie haben sich an das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland gewandt und um „Hilfe für Ihren Religionslehrer Hans Roth“ gebeten. Die EKD hat Ihre Anfrage an uns weitergeleitet, da der Religionsunterricht nicht in die Zuständigkeit der EKD, sondern die der einzelnen Landeskirchen fällt.
Wir haben in unserem Hause prüfen lassen, ob Hans Roth „unser Religionslehrer“ gewesen ist. Zunächst einmal wird der Religionsunterricht – wie jedes andere Unterrichtsfach auch – durch staatliche Lehrkräfte erteilt, allerdings in diesem Fall mit Zustimmung der zuständigen Kirche. Soweit wir ermitteln konnten, hat Herr Roth niemals die Erlaubnis zur Erteilung evangelischen Religionsunterrichts bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck beantragt, ist also nicht „unser Religionslehrer“ gewesen. Ob er bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die den südlichen Teil des Bundeslandes Hessen umfasst, eine Lehrerlaubnis beantragt hat, kann unsererseits nicht festgestellt werden.
Insofern ist für uns der in Ihrem Dossier wiedergegebene Satz „Ich klage an eine Kirchenleitung, die ihren Religionslehrer nie verteidigte …“ im Blick auf die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck nicht nachvollziehbar. Daher sehen wir uns auch nicht in der Lage, Ihre Petition zu unterstützen. Dafür bitten wir um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
i.A. Frank Hofmann
Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Pfarrer Dr. Frank Hofmann
Persönlicher Referent des Bischofs
Wilhelmshöher Allee 330
34131 Kassel
Tel. 0561/9378-307
Fax 0561/9378-460
eMail
hofmann.lka@ekkw.deIch gebe zu, daß ich über diese Antwort ganz besonders enttäuscht bin.
Zu 5:
In der„Giessener Allgemeine Zeitung vom 31.3.74 wird Herr Roth als Linksradikaler diffamiert und im „Darmstädter Echo“ vom 13.1.1978 als „DKP-Lehrer“. Wie konnte es dazu kommen (siehe „Zu 2“)?
Zu den Punkten 6-8 weiß ich nichts zu sagen. Ich weiß nur, daß alle bisherigen Antworten seitens der EKD, von Herrn Staatsminister a.D. Gottfried Milde und von Herrn Ministerpräsident Koch immer davon sprechen, es gebe keine Akten mehr. Auch ein Brief aus dem Hessischen Kultusministerium von Ministerin Dorothea Henzler vom 17. April schlägt in diese Kerbe:
„Sehr geehrte Frau Thelen-Khoder, die von Ihnen an Herrn Staatsminister Hahn gerichtete Eingabe im Fall Hans Roth hat nunmehr zuständigkeitshalber mein Haus erreicht.
Grundsätzlich können Sie versichert sein, dass auch ich ein Interesse daran habe, den von Ihnen geschilderten Fall lückenlos nachvollziehen zu können. Leider ist mir dies jedoch nicht mehr möglich. Eine intensive Recherche in den Archiven des Hessischen Kultusministeriums hat ergeben, dass sich dort keinerlei Behördenakten mehr befinden, die über den Personalvorgang des Herrn Roth auch nur ansatzweise informieren könnten. Daher kann von hier auch keine fundierte Bewertung des Vorgangs – weder aus Ex-ante-Sicht noch aus Ex-post-Sicht – vorgenommen werden.
Ich bedauere, Ihnen keine andere Mitteilung machen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
(Dorothea Henzler, Staatsministerin)“
Ich wünschte, ich könnte mich mit diesen Antworten zufrieden geben! Aber immer wieder fallen mir Sätze aus deutschen Klassikern ein, die ich hier aus dem Gedächtnis wiedergebe; sollten sich also kleine Fehler eingeschlichen haben, bitte ich vorsichtshalber an dieser Stelle um Verständnis:
„Ach, daß Ihr damals mir Gehör geschenkt, als ich so dringend Euer Auge suchte; es wäre nie so weit gekommen. Nicht an diesem traur'gen Ort geschehe jetzt die unglückselig' traurige Begegnung.“ (Schiller, „Maria Stuart”)
„Sie müssen. Daß Sie können, was Sie zu müssen eingesehen, hat mich mit schauriger Bewunderung erfüllt.“ (Schiller, „Don Carlos“)
„Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, als ich an Menschheit appellierte.“ (Schiller, „Die Räuber“)
Und diese Sätze verbinden sich mit anderen aus der Gegenwart:
„Ich hätte nie gedacht, daß ein Berufsverbot ein Leben lang dauern kann, daß man nicht seinen Beruf ausüben darf, daß man seine beruflichen Einnahmen überhaupt nicht mehr bekommt.“ (Alfred Grosser)
„Herr Roth ist ein Opfer des damaligen Radikalenerlasses. Aber er ist es, so sehr ich den Radikalenerlass auch bekämpft habe, er ist es auch noch zu Unrecht. Er war gar keiner, der unter den Radikalenerlass gefallen wäre.“ (Gerhart Baum)
„Auch der damalige Bundespräsident Johannes Rau solidarisiert sich mit Hans Roth, lädt ihn zum Sommerfest nach Berlin. Raus Mitarbeiter setzen sich sogar für Roths Rehabilitierung bei der hessischen Landesregierung ein. Ergebnislos.“ (Report Mainz)
„Ich glaube nicht, daß es ein ganz so spannender Fall ist. Ich jedenfalls kenne den Vorgang im Augenblick nicht. Punkt.“ (Roland Koch)
„Die wichtigste Pflicht des Landes Hessen wäre, ihn moralisch zu rehabilitieren. Ihm zu sagen, daß er keinen Grund gegeben hat, ihn als Lehrer abzuweisen.“ (Gerhart Baum)
„Er hat keinen Pfennig bekommen von der deutschen, von der hessischen Regierung. An sich stünde ihm enorme Entschädigung zu!“ (Alfred Grosser)
„Das Land Hessen muß sich beeilen, wenn es seine Fehler noch zu Lebzeiten von Hans Roth wiedergutmachen will. Er ist krank, sehr krank...“ (Report Mainz)
„Das schleppt sich von Geschlechte zu Geschlechte wie eine ew’ge Krankheit fort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Weh’ Dir, daß Du ein Enkel bist. Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider nie die Frage.“ (Goethe, „Faust“)
„Ich möchte mich bezeichnen als einen ausgesprochenen Verfassungsbürger, der dafür streitet, daß Demokratie in Deutschland erhalten bleibt und mit Leben gefüllt wird.“ (Hans Roth)
„Genau das wird Hans Roth schon 1986 von der hessischen Landesregierung schriftlich bestätigt. Er sei ‚kein Extremist’. Doch sein Berufsverbot dauert weiter an. Er nimmt das nicht hin, kämpft und kämpft...“ (Report Mainz)
„Auch sein Bruder, ein CDU-Mitglied, schreibt wiederholt an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Hans Roth selbst tut es seit 2003 – jährlich.“
„Er hat nicht geantwortet.“ (Hans Roth)
Immer und immer wieder klingen diese Sätze in meinem Kopf, in meinem Herzen, in meiner Seele, und verbinden sich in dieser heiligen Dreifaltigkeit. Sie tanzen umeinander und lassen mich einfach nicht mehr los!
Es ein gespenstischer Reigen, und wenn wir uns in einem dieser von mir heiß geliebten amerikanischen Spielfilme aus den 50er/60er Jahren befänden, in denen z.B. Betti Davis eine Frau spielt, die verrückt gemacht werden soll, oder in einem Film von Alfred Hitchcock, dann wäre jetzt jemand alleine in einem Zimmer, die Kamera drehte sich immer schneller um die Person herum, sie hielte sich die Ohren zu, aber immer lauter und immer schneller wiederholten verschiede Stimmen zunächst ohne, später dann mit sich stets verstärkendem Hall folgende sich immer weiter reduzierende Sätze:
„Ich hätte nie gedacht, daß ein Berufsverbot ein Leben lang dauern kann, daß man nicht seinen Beruf ausüben darf, daß man seine beruflichen Einnahmen überhaupt nicht mehr bekommt.“
„Herr Roth ist ein Opfer des damaligen Radikalenerlasses. Aber er ist es, so sehr ich den Radikalenerlaß auch bekämpft habe, er ist es auch noch zu Unrecht. Er war gar keiner, der unter den Radikalenerlaß gefallen wäre.“
„Auch der damalige Bundespräsident Johannes Rau solidarisiert sich mit Hans Roth, lädt ihn zum Sommerfest nach Berlin. Raus Mitarbeiter setzen sich sogar für Roths Rehabilitierung bei der hessischen Landesregierung ein. Ergebnislos.“
„Ich glaube nicht, daß es ein ganz so spannender Fall ist. Ich jedenfalls kenne den Vorgang im Augenblick nicht. Punkt.“
„Die wichtigste Pflicht des Landes Hessen wäre, ihn moralisch zu rehabilitieren. Ihm zu sagen, daß er keinen Grund gegeben hat, ihn als Lehrer abzuweisen.“
„Er hat keinen Pfennig bekommen von der deutschen, von der hessischen Regierung. An sich stünde ihm enorme Entschädigung zu!“
„Das Land Hessen muß sich beeilen, wenn es seine Fehler noch zu Lebzeiten von Hans Roth wiedergutmachen will. Er ist krank, sehr krank...“
„Das schleppt sich von Geschlechte zu Geschlechte wie eine ew’ge Krankheit fort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Weh’ Dir, daß Du ein Enkel bist. Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider nie die Frage.“
„Ich möchte mich bezeichnen als einen ausgesprochenen Verfassungsbürger, der dafür streitet, daß Demokratie in Deutschland erhalten bleibt und mit Leben gefüllt wird.“
„Genau das wird Hans Roth schon 1986 von der hessischen Landesregierung schriftlich bestätigt. Er sei ‚kein Extremist’. Doch sein Berufsverbot dauert weiter an. Er nimmt das nicht hin, kämpft und kämpft...“
„Auch sein Bruder, ein CDU-Mitglied, schreibt wiederholt an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Hans Roth selbst tut es seit 2003 – jährlich.“
„Er hat nicht geantwortet.“
„in kümmerlichen Lebensverhältnissen“
„Es ist erschütternd“
„skandalös“
„neugierig auf den citoyen“
„Heinrich Böll“
„Ach, daß Ihr damals mir Gehör geschenkt, als ich so dringend Euer Auge suchte; es wäre nie so weit gekommen. Nicht an diesem traur'gen Ort geschehe jetzt die unglückselig' traurige Begegnung.“
„Sie müssen. Daß Sie können, was Sie zu müssen eingesehen, hat mich mit schauriger Bewunderung erfüllt“
„Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, als ich an Menschheit appellierte.“
„Ich hätte nie gedacht, daß ein Berufsverbot ein Leben lang dauern kann“
„Herr Roth ist ein Opfer des damaligen Radikalenerlasses. Aber er ist es, so sehr ich den Radikalenerlaß auch bekämpft habe, er ist es auch noch zu Unrecht.“
„Bundespräsident Johannes Rau solidarisiert sich mit Hans Roth. Ergebnislos.“
„Ich glaube nicht, daß es ein ganz so spannender Fall ist. Ich jedenfalls kenne den Vorgang im Augenblick nicht. Punkt.“
„Pflicht des Landes Hessen wäre, ihn moralisch zu rehabilitieren.“
„An sich stünde ihm enorme Entschädigung zu!“
„Das Land Hessen muß sich beeilen, wenn es seine Fehler noch zu Lebzeiten von Hans Roth wiedergutmachen will. Er ist krank, sehr krank...“
„Das schleppt sich von Geschlechte zu Geschlechte wie eine ew’ge Krankheit fort.“
„Ich möchte mich bezeichnen als einen ausgesprochenen Verfassungsbürger.“
„Er sei ‚kein Extremist’. Doch sein Berufsverbot dauert weiter an.“
„Auch sein Bruder schreibt wiederholt an den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Hans Roth selbst tut es seit 2003 – jährlich.“
„Er hat nicht geantwortet.“
„in kümmerlichen Lebensverhältnissen“
„Es ist erschütternd.“
„skandalös“
„neugierig auf den citoyen“
„Heinrich Böll“
„Ach, daß Ihr damals mir Gehör geschenkt, als ich so dringend Euer Auge suchte; es wäre niemals so weit gekommen.“
„Sie müssen. Daß Sie können, was Sie zu müssen eingesehen, hat mich mit schauriger Bewunderung erfüllt.“
„Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, als ich an Menschheit appellierte.“
„ein Berufsverbot ein Leben lang dauern“
„Herr Roth ist ein Opfer des damaligen Radikalenerlasses zu Unrecht.“
„Bundespräsident solidarisiert sich ... Ergebnislos.“
„Ich jedenfalls kenne den Vorgang im Augenblick nicht. Punkt.“
„moralisch ...rehabilitieren“
„enorme Entschädigung“
„Das Land Hessen muß sich beeilen... krank, sehr krank...“
„Das schleppt sich von Geschlechte zu Geschlechte...“
„Ich möchte mich bezeichnen als einen ausgesprochenen Verfassungsbürger.“
„Doch sein Berufsverbot dauert weiter an.“
„seit 2003 – jährlich.“
„Er hat nicht geantwortet.“
„in kümmerlichen Lebensverhältnissen“
„erschütternd“
„skandalös“
„neugierig auf den citoyen“
„Heinrich Böll“
„Ach, daß Ihr damals mir Gehör geschenkt...es wäre nie so weit gekommen.“
„Daß Sie können ...hat mich mit schauriger Bewunderung erfüllt“
„Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, als ich an Menschheit appellierte.“
„Berufsverbot ein Leben lang“
„Opfer zu Unrecht“
„Bundespräsident ergebnislos.“
„Ich kenne den Vorgang im Augenblick nicht. Punkt.“
„moralisch rehabilitieren“
„enorme Entschädigung“
„Hessen muß sich beeilen... krank, sehr krank...“
„Das schleppt sich von Geschlechte zu Geschlechte“
„ausgesprochenen Verfassungsbürger“
„Berufsverbot dauert weiter an.“
„seit 2003 jährlich“
„nicht geantwortet“
„in kümmerlichen Lebensverhältnissen“
„erschütternd“
„skandalös“
„neugierig auf den citoyen“
„Heinrich Böll“
„Ach, daß Ihr damals mir Gehör geschenkt...es wäre nie so weit gekommen.“
„mit schauriger Bewunderung erfüllt“
„Menschen haben Menschheit vor mir verborgen“
„ein Leben lang“
„zu Unrecht“
„ergebnislos“
„Punkt.“
„moralisch“
„Entschädigung“
„krank, sehr krank...“
„Das schleppt sich von Geschlechte zu Geschlechte“
„Verfassungsbürger“
„Berufsverbot“
„jährlich“
„nicht geantwortet“
„kümmerlich“
„erschütternd“
„skandalös“
„citoyen“
„Heinrich Böll“
„Ach, daß Ihr damals mir Gehör geschenkt...es wäre nie so weit gekommen.“
„schaurige Bewunderung“
„Menschen haben Menschheit verborgen“
„ein Leben lang“ – „Verfassungsbürger“ - „ergebnislos“ – „zu Unrecht“ – „Punkt.“ - „krank, sehr krank...“ – „moralisch“ – „Entschädigung“ - „Berufsverbot“ - „jährlich“ – „ein Leben lang“ - „von Geschlechte zu Geschlechte...“ – „ein Leben lang“ – „nicht geantwortet“ – „kümmerlich“ – „ein Leben lang« - „erschütternd“ – „skandalös“ – „ein Leben lang“ - „citoyen“ – „Heinrich Böll“ – „schaurige Bewunderung“ – „es wäre nie so weit gekommen“ - „Menschen haben Menschheit verborgen“ - „Leben lang“ –„Verfassungsbürger“ - „ergebnislos“ – „Unrecht“ – „Punkt.“ - „sehr krank“ – „moralisch“ – „Entschädigung“ - „Berufsverbot“ - „ein Leben lang“ - „nicht geantwortet“ - „von Geschlechte zu Geschlechte“ – „nicht geantwortet“ - "kümmerlich" – „ein Leben lang“ – „erschütternd“ – „skandalös“ – „ein Leben lang“ - „citoyen“ – „Heinrich Böll“ – „schaurige Bewunderung“ – „es wäre nie so weit gekommen“ - „Menschheit verborgen“ - „Verfassungsbürger“ - „ergebnislos“ – „Unrecht“ – „Punkt.“ - „sehr krank...“ - „Berufsverbot“ - „ein Leben lang“ - „von Geschlechte zu Geschlechte...“ – „nicht geantwortet“ – „kümmerlich“ – „ein Leben lang“ – „erschütternd“ – „Punkt.“ – „skandalös“ – „citoyen“ – „Heinrich Böll“ – „schaurige Bewunderung“ – „es wäre nie so weit gekommen“ – „ein Leben lang“ – „Unrecht“ – „Punkt.“ - „sehr krank...“
„ergebnislos“ – „Unrecht“ – „Punkt.“ - „sehr krank...“ - „ein Leben lang“ - „citoyen“ - „ein Leben lang“ – „Unrecht“ – „Punkt.“
Und an dieser Stelle stürzt die Person, die taumelnd versuchte, irgendwo Halt zu finden, zu Boden.
Aber wir sind ja nicht in einem Hitchcock-Film, und hier soll niemand verrückt gemacht werden, im Zweifel, um an seine Erbschaft zu kommen.
Auch sind wir hier nicht in einem klassischen Drama, wo jemand am Ende geköpft wird („Jetzt zeigt Ihr Euer wahres Gesicht; bis jetzt war’s nur die Larve“) oder „in die böhmischen Wälder“ geht, um „Feuerbrände über Eure bigotte Stadt“ zu werfen. Und ich erwarte nicht, daß „die Waagschale des Lebens sinkend ... hochsteigen in jener (wird), in jener steigend wird in dieser zu Boden fallen“.
Ich kenne mich in der Politik und im Recht nicht aus und weiß nicht, was meine Petition zu bewirken in der Lage ist.
Aber daß das Recht zum Unrecht wird, wenn es „über Leichen geht“, daß sich das Recht seiner vornehmsten Eigenschaft beraubt, wenn es gnadenlos ist, das habe ich stets verstanden. „Sie wollen pflanzen für die Ewigkeit und säen Tod“, sagt Marquis Posa, der durch seine Unbestechlichkeit die Freiheit dazu von Philipp erhält („Wer mich nicht braucht, wird Wahrheit für mich haben“).
Ich kenne den „Fall“ Roth erst seit dem Beitrag von Ulrich Neumann, der am 1. Dezember vorigen Jahres ausgestrahlt wurde, und ich sinke vor Demut in die Knie vor Menschen wie Herrn Roth, der ihn schon so lange erträgt, ohne zu verbittern, sondern von „Vermittlung, Befriedung, Versöhnung“ spricht.
Ich verstehe einfach nicht, wie der status quo, der so viele Menschenleben vergiftet hat (Erlittenes Unrecht und auch solches, das man nur erleiden sieht, ist ein schleichendes Gift), aufrechterhalten werden kann in einem Staat wie der Bundesrepublik Deutschland, dessen Grundgesetz mit Sicherheit zu den schönsten Büchern der ganzen Menschheit gehört.
Es darf doch einfach nicht wahr sein, daß weiterhin Menschen von Rang und Namen den Eindruck haben, daß Unrecht in unserem Staat fortbestehen kann, obwohl führende Vertreter davon Kenntnis haben.
Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger schrieb mir am 11. Februar 2009: „Sehr geehrte Frau Thelen-Khoder, vielen Dank für Ihr ausführliches Schreiben und Ihr Engagement für Herrn Roth.
Ich habe die Berichterstattung zu diesem Fall auch gesehen. Es ist erschütternd. Herr Roth hätte wohl nie unter den Radikalerlass fallen dürfen. Ihm wurde sogar von offizieller Seite aus, von Gerichten und Regierungspräsidium, die Verfassungstreue bescheinigt. Ein Berufsverbot hätte, wenn überhaupt, nur ausgesprochen werden dürfen, wenn es stichhaltige Beweise gäbe, die Herrn Roth als politischen Extremisten entlarvt hätten. Diese gab es jedoch nie.
Somit entbehrt das Berufsverbot meiner Auffassung nach den rechtlichen Grundlagen.
Bitte wenden Sie sich doch an den FDP-Landesvorsitzenden in Hessen Herrn Jörg-Uwe Hahn, er ist zugleich auch der hessische Justizminister. Seine Email-Adresse lautet:
j.hahn@ltg.hessen.deMit freundlichen Grüßen
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger“
Nun habe ich mich auch an den Hessischen Justizminister gewandt und bekam nur die Antwort aus dem Hessischen Kulturministerium (siehe oben).
Und zu den Antworten fallen mir wieder Schiller-Worte ein: „...nicht anders, wie wenn man der Großen ab bittersten spottet, wenn man ihnen schmeichelt, daß sie die Schmeichler hassen“ (aus „Don Carlos“ oder „Die Räuber“)
Nur, daß es hier nicht um Schmeicheleien geht, sondern um Rechtsfindung, um Recht und Gesetz, um Rechtsstaatlichkeit, um unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, um Artikel 1, 3 und 33 unseres Grundgesetzes. Hier hieße es also:
Nicht anders, wie wenn man einem Menschen, der seit 40 Jahren auch vor Gericht um Recht und Gesetz streitet, am bittersten spottet, wenn man fragt, warum er sich nicht früher um eine Rehabilitation bemüht habe.
Herr Roth ist krank. In der Hoffnung, daß ihm nach so langer Zeit und so vielen Bemühungen doch noch Recht zuteil wird, verbleibe ich
mit hoffnungsvollen Grüßen
Nadja Thelen-Khoder
NadjaThelen-Khoder@web.dePS: Vielen Dank für die mir zugeschickten Links und aufmunternden Worte, die ich hiermit weitergeben bzw. noch einmal wiederholen will:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1736632&em_loc=1231http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,621685,00.htmlHier hat unser Staat seine wahre Größe bewiesen! Möge er es im "Fall" Roth auch tun!
[Anm. d. Red.; Angehängt als pdf nachfolgend der Inhalt dieses Beitrags auf Wunsch der Verfasserin]